Hammelburger Geschichte(n)

 

Die Kulturelle Spalte

Grenzbegehung am 12. und 13. Oktober

Zwei Tage waren die Hammelburger Feldgeschworenen mit Musik, Prominenten und Schülern auf dem Gang rund um die Gemarkung. Allenthalben besinnt man sich in den Gemeinden des Landkreises auf die alten Bräuche, die der Dorfgemeinschaft einstmals Wesen und Gepräge gaben. Auch die Stadt Hammelburg griff einen dieser alten sinnvollen Bräuche auf, nach 18 Jahren erstmals wieder eine Grenzbegehung durchzuführen. Zwei Tage, am Montag und am Dienstag, führten die Feldgeschworenen mit ihrem Obmann K. Hurrlein die Jugend (90 Schüler der Volksschule und der landw. Berufsschule), ebenso viele interessierte Einwohner, die Grenzen der Hammelburger Gemarkung entlang. An den jeweiligen Grenzen stießen die Feldgeschworenen von Diebach, Unter- und Obererthal, sowie Westheim zu dem stattlichen Zug. Heimatgeschichte einmal an den Orten der Begebenheiten, nicht in der Schulstube erlebten die aufmerksamen Schüler. Bedeutungsvolle Punkte der Vergangenheit bildeten die ..Drei Märker", jene Grenze, an der die Gebiete der Fürstbistümer Fulda und Würzburg zusammenstießen. Im Höllgraben, bei dem man verweilte, sollen einstmal die Bausteine für das Rote Schloß gebrochen worden sein. Erinnerungen an den unglückseligen Bruderkrieg, von 1860 rief der Ganzberg hervor, wo einst die Preußen gegen die Österreicher kämpften. Glied an Glied der Hammelburger Geschichte, die sich durch Jahrtausende hinzieht, reihte sich an.
Selbstverständlich sollte die Jugend bei diesem Flurgang die Grenze der Gemarkung nicht vergessen und darum ..stauchten" die Feldgeschworenen manch einen Buben auf die Steine. Aber auch Bürgermeister, Landrat und Lehrkräfte mußten daran glauben. Überhaupt verstanden es die beiden Lehrkräfte, Lehrer K. Stöckner und J. Goblirsch. erlebnisreichen Unterricht zu bieten, der von allen Schülern begeistert aufgenommen wurde.
Einen großen Teil zum frohen Gelingen trug Kreisoberinspektor F. Hohmann bei. Nicht nur seine geschichtlichen Erklärungen, Erzählungen und Anekdoten aus vergangener Zeit waren es, die immer eine große Bubenschar um ihn umschwärmen ließ, sondern auch sein Brotbeutel, in dem dieses Mal pfundweise die Bonbons steckten. Doch ein solcher Preis wollte erst durch Bodenübungen, Geländespiele und Wettlauf errungen sein. Die letzte Prämiierung behält sich aber der Stadtrat vor, und zwar für den schönsten Aufsatz über die Flurbegehung. Zur frohen Unterhaltung trug ferner die Kapelle Sandner bei. die treu und brav während der zwei Tage mitmarschierte. An den schönsten Plätzen erklangen die Lieder der Jugend, die ihre Heimat besang.
Am 2. Tage führte der Weg über die Dreisaalen und. voraus die Musikkapelle, durch Pfaffenhausen. Über die Hohe Lanz ging es dann am Felsenkeller zurück. Die Beteiligung seitens der Bevölkerung war an diesem Tag noch stärker: als Gäste nahmen Bürgermeister K. Wankel, Reg.-Rat K. Schotthöfer u. die Feldgeschworenen von Fuchsstadt, Pfaffenhausen. Ober- und Untereschenbach teil.
Für das leibliche Wohl sorgte während der zwei Tage die Stadt mit Wurst, Weck. Limonade und Bier. Auf dem Marktplatz fanden sich zum Abschluß alle ein. Kreisoberinspektor Hohmann dankte denen, die zum Gelingen dieses schönen Brauches beigetragen haben und bat die Feldgeschworenen, treue Hüter der Gemarkungsgrenzen zu bleiben: der Jugend legte er nahe, sieh in ihrem Leben der Heimat immer verpflichtet zu wissen.
(Fränk. Volksblatt)

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