Das altehrwürdige Dorfkirchlein von Untereschenbach, ehemals eine Wehrkirche
Wer auf der Bundesstraße 27 aus Richtung Karlstadt oder Gemünden kommt, dem eröffnet sich an der Kurve bei Untereschenbach ein herrlicher Blick auf das breite Saaletal. Unmittelbar dort liegt, an der Bergnass inmitten eines terrassenförmig angelegten Friedhofes, das altehrwürdige Dorfkirchlein von Untereschenbach.
Ursprünglich soll es die Schloßkirche zur Altenburg gewesen sein, die etwa 300 m höher auf dem steil ansteigenden Altenberg stand Nach der Hauptfront des Kirchleins zu schließen, war es ursprünglich romanisch erbaut worden. Später wurden an den Seiten gotische Fenster eingefügt. Auch der nach Osten gerichtete Chor ist gotisch. Im Mittelalter diente es als Fliehkirche. Das Dorf selbst war auch im Mittelalter, wie fast alle in der Gegend, befestigt, aber nur mit Hecken und Zäunen. Es heißt aber auch eine Flur „In der Mauer". Die Kirche und der Friedhof waren die eigentliche Befestigung. Auf dem Chor der Kirche wurde 1568 ein Wehr-geschoß in schönem Fachwerk errichtet, welches heute noch gut erhalten ist. Die Kirchhofmauer war damals noch höher und zugleich Befestigung, hinter die die Bevölkerung Vieh und Habe beim Herannahen feindlicher Haufen in Sicherheit brachte. Am Haupt- wie auch am Seiteneingang finden wir auch heute noch Beweise für diese Annahme. Die Türen können durch zwei mächtige Balken von innen verschlossen werden. In den Seiten des dicken Mauerwerkes befinden sich tiefe Löcher, in welche die Balken - ganz wie eine moderne Schiebetüre - vollständig hineingeschoben werden konnten. Der Küster oder Wächter schlief früher in der Kirche oder Sakristei. Unter der Sakristei war der „Karner", in dem die Gebeine aus den geöffneten Gräbern gesammelt wurden; er nimmt heute die Geräte des Totengräbers auf.
Den Hauptaltar des Kirchleins schmücken zwei aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammende Holzfiguren, welche die hl. Maria und den St. Michael darstellen. Über dem Rundbogen, der das Kirchenschiff vom Chor trennt, hängt ein Ölgemälde mit den Heiligen Sebastian, Rochus und Wolfgang aus dem späten 17. Jahrhundert. An den Seitenwänden finden wir zwei bescheidene, stark verblaßte Ölgemälde aus dem 18. Jahrhundert mit Darstellungen von Heiligen. (Siehe „Kunstdenkmäler von Bayern", Seite 147, Inventar-Nr. XIII. 25.) Auf dem Dachstuhl hängt die wohl älteste Glocke des Landkreises, ihrer Schriftart und Form nach kurz nach 1400 gegossen. Ende des 19. Jahrhunderts sind die Sakristei und die Orgeltreppe ausgebaut worden. Die Treppe führte früher im Innern zur Empore hoch. Als im Jahre 1920 das Kirchlein renoviert wurde, kamen beim Abbeizen der Decke von Schiff und Chor ornamentale Malereien in Öl zum Vorschein, die nun wieder in ihrer Ursprünglichkeit erhalten sind. Das kleine Gotteshaus lag früher still und abgeschieden an seinem Berghang, bis es 1938 durch den Bau der als Autobahnzufahrtsstraße gedachten Strecke Hammelburg-Heßdorf aus seinem Dornröschenschlaf geweckt wurde. Von hier aus genießt man wohl die schönste Aussicht im ganzen Saaletal. Im Westen lagert der Sodenberg; vom Sturmiusberg leuchtet die Sturmiuskapelle weiß herüber. Nach Norden zu kann man den ganzen Thulbagrund, abgeschlossen von der Silhouette der Vorderrhön, einsehen. Schloß Saaleck, Kloster Altstadt, Hammelburg und die Bergkette dahinter, von der die Trimburg aus der Ferne winkt, schließen den Gesichtskreis im Osten.
Winfried Gößmann.