Hammelburger Geschichte(n)

 

Johannes Ägidius Martin

1909 - 1943

Er nimmt in der langen Reihe der Pfarrherrn von Hammelburg einen hervorragenden Platz ein. Aus Helmstadt stammend, war er bereits von 1902 bis 1908 Kaplan in unserer Stadt gewesen. Schon in diesen Jahren zeigte er ein besonderes Interesse für die soziale Hebung der Bevölkerung
und gründete zu diesem Zweck 1903 die Darlehenskasse, 1904 den Winzerverein zur Verbesserung der Verhältnisse des notleidenden Winzerstandes, 1905 die landwirtschaftliche Lagerhaus-Genossenschaft, ferner die Gewerbe-Innung für den schwer um seine Existenz ringenden Handwerkerstand. 1908 mußten die Hammelburger wehmütig von ihrem Kaplan Abschied nehmen, als er zum Militärseelsorger nach Würzburg berufen wurde. Die Stadt verlieh schon damals ihm, der so Gutes hier gewirkt hatte, das Ehrenbürgerrecht. Um so jubelnder aber empfing ihn die ganze Bevölkerung, als er im Jahre darauf, auf Wunsch aller, zum Stadtpfarrer berufen wurde. Nach dem Kriege folgte noch die Gründung einer Baugenossenschaft zur Behebung der Wohnungsnot. Katholische Vereine und Verbände wurden durch ihn gegründet und gefördert. Die kath. Jugend erhielt in dem ehemaligen Hotel zum Adler ein eigenes Heim. Für die würdige Ausstattung des Gotteshauses und einen möglichst feierlichen Vollzug des Gottesdienstes war Pfarrer Martin besorgt durch Beschaffung und Neueinrichtung der Glocken und der Orgel. Eine Kirchenheizung wurde eingebaut, Paramente und Kirchenstühle wurden angeschafft. Der Neuanlage des Friedhofes schenkte Pfarrer Martin besondere Beachtung und ließ durch den Hammelburger Bildhauer Kaspar Ruppert einen künstlerisch wertvollen Kreuzweg dort aufstellen. Die Wallfahrtskirche Maria-Steintal erfuhr eine sorgfältige Erneuerung.
1924 wurde zur Hebung des religiösen Lebens eine Volksmission abgehalten. Was Pfarrer Martin als tieffrommer, pflichttreuer Seelenhirte seiner Gemeinde geleistet hat, wird erst in der Ewigkeit offenbar werden. Unter der Herrschaft des Nationalsozialismus hatte Pfarrer Martin, gleich vielen anderen seiner Confratres, nicht wenig zu leiden. Die allgemein sich fühlbar machenden und von den regierenden Stellen angeordneten Schikanen wirkten sich auch in Hammelburg unheilvoll aus. Pfarrer Martin ging unbeirrt und furchtlos den Weg der Pflicht. Anzeige bei Gericht, Gerchtsverhandlung und Verurteilung: all das mußte Geistl. Rat Martin über sich ergehen lassen.
Er hat mit nur ganz kurzer Unterbrechung den weitaus größten Teil seines Priesterlebens in Hammelburg gearbeitet, gebetet und gelitten. Nach kurzer Krankheit wurde er zu Gott heimgerufen, am 16. Februar 1943. Einem geäußerten Wunsch zufolge wurde er auf dem Friedhof Helmstadt beigesetzt. Pfarrer Martin Nachfolger, Dr. Franz Mahr, hat das Andenken seines großen Vorgängers wachgehelten, indem er ihm an der alten Stadtmauer, die den Kirchplatz abschließt, ein würdiges Denkmal, den Guten Hirten darstellend, setzen ließ. Auch die Raiffeisenbank hat zur Feier ihres 50jährigen Bestehens ihres Gründers dankbar gedacht.
Pfarrchronik Hammelburg.
a_53-4-3
Stadtpfarrer Martin in früheren Schaffensjahren um 1930

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