Saalegau-Sagen
Die Kirchenruine von Aura
Nicht ganz ohne Schuld, so sagt man, seien die Klosterherren von Aura am Zerfall ihres Klosters gewesen. Ihr gutes Leben war dem Volk ein Ärgernis geworden, denn sie scheuten selbst nicht davor zurück, Klostergüter für ihre Vergnügungen zu veräußern. Eines Tages verschwand das kostbare Wallfahrtsbild der Mutter Gottes aus der Klosterkirche. Als sich alle Insassen durch heiligen Eid vom Verdacht gereinigt hatten, fand man endlich nach langem Suchen das Bild auf der Bergeshöhe, da, wo heute die Ruine steht.
Froh brachte man es zurück und verehrte es eifriger, denn zuvor. Doch eines Tages war es wieder verschwunden und fand sich beim Suchen auf dem Platz auf der Höhe, wie das letzte Mal. Und so geschah es auch zum dritten Male.
Die Frommen des Klosters erkannten daraus, daß die Gottesmutter nicht mehr in der Klosterkirche verehrt sein wolle. Man brachte die Angelegenheit vor den Bischof von Würzburg. Dieser wollte gern den alten Glanz und das Ansehen von Aura wiederherstellen und befahl den Bau einer neuen Kirche an der Wunderstelle. Bald aber begann der Bauernkrieg in der Gegend zu wüten und der Bau der neuen Kirche wurde eingesteht, um nie mehr wieder aufgenommen zu werden. Es stehen einsam nur die überwucherten Überreste der begonnenen Kirche auf waldiger Bergeshöhe.
Mitgeteilt vom alten Kirchner in Aura.
Der Tränenstein - Untereschenbach
Am sog. „rasigen Weg" der Gemeinde Untereschenbach liegt ein schöner, glattgeschliffener Feldstein, genannt „der Tränenstein". Ihn kannte früher jedes Kind und betrachtete ihn mit scheuer Ehrfurcht. Er hatte eine ovale, tiefe Aushöhlung in der Mitte und darin bleibt immer Wasser stehen, selbst wenn in der ganzen Umgebung einmal die Fluren völlig ausgetrocknet sind, wenigstens bleibt ganz unten soviel Naß, daß ein Vogel davon trinken könnte. Das Wasser in dem Tranenstein aber besitzt nach dem Glauben der Dorfleute eine besondere Heilkraft. Hat jemand Warzen oder Geschwüre an den Fingern, so muß sie nur ganz „unbeschrien" in diesem Wunderwasser baden; in kurzer Zeit sind sie wieder heil. Noch größere Wunder aber wirkt der Stein bei Schulkindern. Wenn eines nicht recht mitkommt, sich plagt und doch nichts begreift, so sagen die Leute zu ihm: „Du mußt einmal in den Tränenstein schauen!" Die Redensart kommt von einer Sage: Eine arme, aber rechtschaffene Witwe hatte ein Büblein, das war ihre ganze Hoffnung; doch war es sehr dumm und einfältig. In ihrem Herzensleid ging die arme Frau aufs Feld und ließ sich, den Arm auf jenen Stein gestützt, am Wegrand nieder und flehte in heißem Gebet um Erleuchtung für ihren Sohn. Dabei ließ sie ihren Tränen freien Lauf; die bittren Zähren höhlten den Stein und blieben in einer Pfütze, sich immer tiefer fressend, darin stehen. Andern Tages sah das Büblein den Stein, guckte in die salzige Tränenflut, tauchte wie von ungefähr den Finger darein und strich damit über die Stirne. Da vollzog sich das Wunder! Emsig fing der Knabe an, seiner Mutter zu helfen, gab vernünftige Antworten und wurde auch geschickt in der Schule. Das Gebet der Mutter war erhört worden und der Stein soll noch heute seine Wunderkraft besitzen.
Nach Kleinschroth.
Der ungetreue Gatte
Konrad III. herrschte seit 1200 auf der Trimburg und lebte glücklich mit seiner Gattin Adelheid und seinen vier liebreizenden Kindern. Bald aber entfremdeten Waidwerk, Wein und Würfelspiel den Grafen seinem Weib und seinen Kindern immer mehr. Mit den wüsten Nachbarn von der Bodenlaube, vom Saaleck, vom Sodenberg und von der Reußenburg trieb er sich bis tief in der Nacht herum, der Zecherei ergeben. Als er einmal bei der Rückkehr schwankend dem Torwart sein Roß übergab und an den Brunnen eilte, um seinen brennenden Durst zu löschen, da saß auf dem Zisternenrand in grünlichem Schimmer eine kichernde Weibsgestalt. Übermütig faßte der Graf die Schöne und trug sie zum nahen Rundturm. Dort bemerkte er im flackernden Kerzenlicht, daß das Weib Schwimmhäute zwischen den Fingern und Flossen an den Füßen hatte. Das Gruseln kam ihn an; doch die Wassermaid beruhigte ihn. Er brauche ihr nur vom Priester geweihtes Brot verschaffen und sie werde ein Menschenkind werden, wie er, und ihn liebhaben bis an sein Ende. Der Betörte holte ihr in der Tat aus der Schloßkapelle eine Hostie zum Genusse; da verschwanden Schwimmhäute und Flossen und der Graf liebkoste sie ohne Grauen. Als aber bald darauf der Schloßkaplan vom frevelhaften Treiben seines Herrn Kunde erhielt, da brachte er die Hostien nach Euerdorf in die Pfarrkirche. Und als so in den nächsten Vollmondnächten die Speisung der Wasserfee unterblieb, mußte sie elend verhungern. Der Graf aber machte Reu und Leid und unternahm für sein Vergehen eine Wallfahrt nach Rom und Palästina. So kündet die Sage.
Geschichtlich erwiesen ist, daß er 1279 Schloß und Amt Trimberg dem Stift Würzburg überschrieb und daß er, wie auch Adelheid, in Klöstern Aufnahme gefunden haben