Hammelburger Geschichte(n)

 

Die Wappensage derer von Henneberg

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Ueber den Ursprung des gräflichen Hauses von Henneberg schreibt Bechstein:
„Um das Jahr 455 n. Chr. habe ein edler Römer aus dem Geschlechte der Columneser (Colonna), Poppo mit Namen, unzufrieden mit den Zuständen in seinen Vaterland den Entschluß gefaßt, heimlich Italien zu verlassen und sich im Norden niederzulassen. Er verkaufte, seine Besitzungen, lud seine Kostbarkeiten auf Maultiere u. zog mit den Seinen durch Bayern und Schwaben nach Franken. Hier habe ihm diejenige Gegend bei Mellrichstadt (Madalrichistrenna), in der damalen noch die Ruinen eines Schlosses gelegen, so gut gefallen daß er auf einem Berge einen Platz zur Errichtung einer Burg aufräumen habe lassen. Als bei dieser Gelegenheit eine Berghenne (Birkhenne ?) mit ihren Jungen aufgeflogen sei, habe er das hier erbaute Schloß Henneberg genannt. Auch sein Familienwappen, eine weiße Säule mit einer goldenen Krone im roten Felde, beschloß er aufzugeben und dafür eine schwarze Henne mit rotem Kamm und Bart im goldenen Felde, auf einem dreihügeligen Berge stehend, als Familienwappen anzunehmen.
Ähnliches ist in einer alten Handschrift zu lesen mit der Einleitung: „Da die Wenden vor Rom lagen, das war nach Christi Geburt 458 Jahre." Fast das gleiche ward in einer Chronik gefunden, wo es von einem Römer heißt: „Er zog in diese Lande und kam an das End und Berg, da jetzo Henneberg liegt" und auch hier wird die Sage von der aufgescheuchten Wildhenne und dem danach benannten Schloß erzahlt. Über dessen Eingangstor habe man dann, wie bei allen Hennebergischen Schlössern, das Wappenschild mit der Henne antreffen können.
Von den drei hennebergischen Schlössern: Henneberg, Hutsberg und Landsberg sagt man, daß das eben die drei Berge seien, auf welchen im Wappen der Grafen  die schwarze   Henne steht.   Daher sei das  Sprichwort entstanden: „Henne hut's Land" mit Bezug auf den Namen der drei Burgen und der Bedeutung: „Die Henne hütet das Land." Seit 1525 liegen Hutsberg und Henneberg in Ruinen und Landsberg lag ebenfalls öde, bis sich 1842 dort wieder ein stattlicher Burgbau erhob. Die fuldischen Fürstabte aus dem Geschlecht der Grafen von Henneberg führten ebenfalls im gevierten Schild links oben und rechts unten die Berghenne. (Die beiden anderen Felder zeigen über geschachtem Unterrand den halben gekrönten Doppeladler.) Wir finden dieses Zeichen Johanns III. von Henneberg an dem unter seiner Aera erbauten Rathaus zu Hammelburg; allerdings stark verwittert, an der Südfront; im Hof des Roten Schlosses ferner, am Südflügel, mit der Jahreszahl 1540 mit ful- dischem Herzschild, als Arbeit des heimatlichen Bildhauers, des Mono- grammisten H-R, wie erst vor kurzem festgestellt wurde. Wir werden auf dieses letztgenannte Hennebergwappen und auch das des Minnesangers Otto von Bodenlaube an Hand von Abbildungen nochmals zurückkommen.
Brandler.
  

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