Die Heden

Von den Heden, einem ostfränkischen Herzogsgeschlecht des frühen Mittelalters, ist wenig überliefert. Sie dürften jedoch nicht nur kurze Zeit regiert haben, denn sie konnten die Vererbung ihres Herzogsamtes in ihrer Familie durchsetzen. Sie waren in Würzburg ansässig und bis Ende der 710er Jahre die Herzöge des Herzogtums Thüringen.
Es dürfte folgende Herrscherreihe bestanden haben: Hruodi - Heden I. – Gosbert (auch Gozbert) - Heden II.
matthaeus schiestl gerolzhofen taufe gosberts durch kilianDie Ehefrau von Gosbert war Geilana (auch Geila). Bekannt sind beide dafür, dass sie um 689 den irischen Missionar Kilian mit seinen Gefährten Kolonat und Totnan enthaupten ließen. Die Quellen sprechen einmal für Gosbert, ein andermal für Geilana als Auftraggeber des Mordes. Geilana soll anschließend im Wahnsinn gestorben sein, Gosbert wurde von seiner eigenen Garde umgebracht.
Heden II (auch Hedan oder Hetan) war ein Sohn von Gosbert und Geilana. Er war Anfang des 8. Jahrhunderts Herzog des erneuerten thüringischen Stammesherzogtums. Seine Frau war Theodrada. Sie hatten einen Sohn mit Namen Thuring.
Heden II. dürfte ab 689 geherrscht haben. Unter seiner Regentschaft begann die Missionierung der Thüringer durch Bonifatius. Dabei schenkte er auch am 1. Mai 704 seinen Hof zu Arnstadt (Thüringen) an Erzbischof Willibrord vom Kloster Echternach.
Am 18. April 716 schenkte er wiederum an Willibrord sein väterliches und mütterliches Erbgut, in Hammelburg (ad Hamulo castellum) an der Saale im Saalegau gelegen, wo er auf Willibrords Rat ein Kloster zu errichten gedachte.


 

Die Urkunde

Teil1 a web900h wz 1Die Urkunde selbst ist im Original nicht mehr vorhanden. Sie ist als Abschrift im „Liber Aureus Epternacensis“, dem Goldenen Buch der Stadt Echternach, nachzulesen.

Theodoricus Scholasticus (auch: Theoderich von Echternach) war ein Benediktinermönch und Leiter der Klosterschule von Echternach. Er schrieb ab ca. 1150 das Liber Aureus unter Abt Godfrid II. von Echternach. Es sollte eine Echternacher Chronik im Rahmen einer Weltchronik werden. Darin wurden auch alle verliehenen Urkunden aufgezeichnet, um aufzuzeigen, welche Rechte die Abtei in der Vergangenheit erworben hatte.

Er wollte es Kaiser Heinrich VI., der in einem Konflikt zwischen der Abtei und dem Erzbischof Johann I. von Trier vermittelte, übergeben.

Teil2 a web900h wz 1Dieses Buch wird heute in der Handschriftensammlung der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha verwahrt.


Die Übersetzung

kilian 1

 Urkundentext in Latein (Übersetzung nach Anna-Maria Stolze, Dobenecker, Warmuth u.a.)

Eodem anno dux Hedenus de bonis suis sancto Willibrordo hanc cartam conscribi fecit:

In demselben Jahr [716] vermachte Herzog Heden seine Güter dem ehrwürdigen Willibrord in dieser verfassten Urkunde:

Ego in Dei nomine illuster vir Hedenus dux dono a die presenti pro Dei timore et mercedis meae augmento donatumque in perpetuum esse volo domino et in Christo patri Willibrordo in mero,
quod respicit ad hamulo castellum, ubi et cogito Dei misericordia per ipsius apostolici viri consilium monasterium construere, in parte occidentali super fluvio Sala, in pago Saluense, tam campis quam patris, pascuis, silvis, aquis aquarumque decursibus, ipsas res quas pater meus et mater michi dereliquerunt, cum servis et ancillis VIII. Quantumcumque ibi habere videor totum et ad integrum trado atque transfundo, ut quicquid inde facere voluerit, liberam in omnibus habeat potestatem.
Si quis vero, quod futurum esse non credo et reliqua ut supra.

Ich, in Gottes Namen, Herzog Heden, hochangesehener Mann, schenke heute aus Gottesfurcht und zur Mehrung meines Lohns und will, dass für immer dem Herrn und Vater in Christus Willibrord ungeschmälert alles, was sich auf Hammelburg bezieht, wo ich mit Gottes Barmherzigkeit und nach dem Plan eben dieses apostolischen Mannes ein Kloster zu erbauen gedenke, im Westen über der Saale, im Saalegau, sowohl mit Feldern, wie auch mit Wiesen, Weiden, Wälder, stehenden Gewässern und Wasserläufen, eben die Dinge, die mir mein Vater und meine Mutter hinterlassen haben, zusammen mit 8 Knechten und Mägden. Alles, was mir offenkundig dort gehört, übereigne und übertrage ich ganz und ungeschmälert, damit er in allem die freie Verfügung habe, was immer er will, von nun an damit zu tun.
Wenn jemand jedoch, wovon ich nicht glaube, dass es geschehen wird, und so weiter wie oben.

Actum publice Hamulo castello. Anno quo supra  Chilperici regis. XIIII Kal. Maias. Cato comes. Sigericus comes.

So geschehen öffentlich in Hammelburg. Im [1.] Jahr der Herrschaft Chilperichs am 18. April.
Graf Cato. Graf Sigerich.
Ego illuster vir Hedenus dux hanc donationem fieri volui et subscripsi cum Theodrada coniuge mea Ado nutricius Hedeni et Turingus filius Hedeni. Ado go to. Hererico. Ego Richisus clericus rogatus scripsi et subscripsi. Ich Herzog Heden, hochangesehener Herr, habe verfügt, dass diese Schenkung geschieht und unterschreibe zusammen mit meiner Gemahlin Theodrada. Ado, Erzieher des Heden, und Turing, der Sohn des Heden. Adogoto. Hererico. Ich Kleriker Richarius, habe auf Ersuchen geschrieben und unterschrieben.

 


Die Ersterwähnung Hammelburgs

hamulo markerIn der Urkunde vom 18. April 716 wird unsere Stadt gleich zweimal erwähnt. Zum einen als Schenkung des Hedenschen Besitzes in Hammelburg (ad hamulo castellum) und zum Zweiten als Ort der Beurkundung dieser öffentlichen Schenkung in Hammelburg (Hamulo castello). Andere Orte werden in der Urkunde nicht erwähnt.
Somit steht fest, dass das vor 1300 Jahren erstmals erwähnte „hamulo castellum“ nicht nur der erste urkundlich erwähnte Ort im Saalegau, sondern nach Würzburg der zweitälteste urkundlich erwähnte Ort Unterfrankens ist.
Über das tatsächliche Alter unserer Stadt kann nur spekuliert werden. Nachdem Heden II. den Besitz laut Urkunde von seinen Eltern vererbt bekam, die schon im 7. Jahrhundert starben, gab es den Besitz Hamulo castellum schon Jahre vor der Schenkung.
Das Castellum (wie auch immer es ausgesehen haben mag und wo auch immer es stand) dürfte schon eine gewisse Größe gehabt haben oder in der Folgezeit rasch gewachsen sein, denn bereits 741 wird eine bestehende Martinskirche genannt und Karlmann überträgt diese an das neugegründete Bistum Würzburg.

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