Im Jahre 1716 errichtete der damalige Pächter der Herrenmühle, Johann Keck, im Steinthal einen Bildstock mit einem Muttergottesbildnis. Hintergrund war die Errettung aus einer lebensbedrohlichen Situation: Der Mühlenpächter hatte einen Blutsturz erlitten und war „aus solcher Todesgefahr glücklich genesen“,
wie es auf der Inschrift des Votivbildes heißt. Das Bildnis werde „allen frommen Christen zum Trost repräsentiert durch J.K. anno 1716“.
Das so genannte „Ständel“ (Steinthal) war früher ein viel begangener Reit- und Fußweg, der direkte Weg von Fulda nach Würzburg. Die Überlieferung erzählt die Entstehungsgeschichte der Steinthalkapelle so: In alter Zeit ritt ein Hammelburger Müller durch das Steinthal und erlitt dort, wo heute die Kapelle steht, einen Blutsturz. In seiner Todesangst rief er die Muttergottes an und versprach, ihr zu Ehren eine Kapelle zu errichten. Er wurde gesund und vergaß sein Versprechen. Als er einige Jahre später wieder auf diesem Weg ritt, ereilte ihn zum zweiten Mal ein Blutsturz. Reumütig flehte er Gott um Hilfe an und versprach, sein Gelübde diesmal zu erfüllen, wenn er wieder gesund würde.
Ob es sich genau so zugetragen hat, ist nicht nachweisbar. Sicher ist aber die oben erwähnte Errichtung des Bildstocks durch Johann Keck. Auch beantragte er 1717 bei der Fuldischen Regierung „über den zu Ehren der seligen Jungfrau Maria am Berg des sogenannten Ständels aufgerichteten Bildstocke eine Verdachung machen lassen und zu dieser Unterhaltung 20 fl. (Gulden) der Pfarrkirche eingewiesen“ werde.
Die Inschrift auf dem Votivbild, das sich heute im rechten Seitenaltar befindet, lautet:
„Dieß ist die wahrhafte Abbildung des hl. Muttergottesbildniß, so zu Schweinfurt in der Spitalkirche noch zu sehen und von den Inwohnern der Stadt nicht nach Würdigkeit verehrt wird. Weilen aber an diesem Ort ein Marianischer Liebhaber in seiner Todesgefahr von Gott in Sinne gekommene Bildniß zu verehren und zu verneuern sich vorgesetzt, so ist er aus solcher Todesgefahr glücklich genesen und wird hiermit dies unbekannte Bildniß, so in Schweinfurt nicht nach Gebühr verehrt wird, hier gegenwärtig im Ort allen frommen Christen zum Trost repräsentiert durch J.K. anno 1716“.
Der Kapellenbau
Von Anfang an pilgerten Beter zum Bildstock ins Steinthal, um der Muttergottes ihre Bitten und Sorgen zu bringen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. 1739 wurde schließlich mit dem Bau der Kapelle begonnen, der Grundstein wurde 1740 gelegt. Zwei Jahre später war der schlichte Renaissance-Bau vollendet. Der Fuldische Fürstabt Amand von Buseck konnte die Kapelle am 17.November 1742 feierlich ihrer Bestimmung übergeben.
Ab da nahm der Pilgerstrom kontinuierlich zu.
Im letzten Jahrhundert gab es - besonders in Kriegszeiten - große Bitt- und Dankprozessionen aus der ganzen Umgebung, so dass oft ein Altar im Freien aufgestellt werden musste. Mitte der 1950er Jahre richtete man dann einen festen Wallfahrtsplatz ein.
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Nach dem Vorbild des ursprünglichen Gemäldes, der Madonna mit Kind, das der Welt die offenen Arme entgegenstreckt, wurden später zwei plastische Mariendarstellungen geschaffen. Eine Figur aus Sandstein und eine ähnliche Figur aus Holz, die inzwischen einen Strahlenkranz erhalten hat. Diese Madonna wird unter dem Kreuz am Freialtar aufgestellt, wenn eine Andacht oder Messfeier im Freien stattfindet.
Immer wieder wurde die inzwischen reichhaltig ausgestattete Kapelle renoviert, zuletzt nach einem Brand im Jahr 1997.
Auch der Freialtar auf dem Wallfahrtsplatz wurde 1998/99 vollkommen erneuert.
Bis heute hat sich die Tradition der Marienandachten an den Sonntagen im Mai und der Rosenkranzandachten im Oktober gehalten. Es gibt jährlich eine Sternwallfahrt der Pfarreiengemeinschaft ins Steinthal.
An den wichtigen Marienfeiertagen wird Gottesdienst gefeiert und – um es im Hammelburger Dialekt zu sagen: Im „Ständel“ wird gerne „geheiert“. Das kleine, schmucke Kirchlein in seiner romantischen Abgeschiedenheit ist geradezu prädestiniert für Trauungsgottesdienste.
Text u. Fotos (7): Barbara Oschmann
Textquelle: Broschüre ‚Maria Steinthal‘, Franz-Josef Schneider